Die liest wirklich jeder...

Frideswida Frida - Verdener Geschichte von Clemens Burchhardt

Wie kommt der Name dieser Frau in die Klus am Allerufer?

Clemens Burchhardt Clemens Burchhardt

Als ich zu Pfingsten 1970 nach Verden kam, hatte ich von der Geschichte dieser sehr anziehenden Stadt am Ufer der Aller wenig Ahnung.

 

Das Interesse wuchs mit den Jahren und gewann einen noch sehr begrenzten Reichtum an Erkenntnis. Daran möchte ich aufgeschlossene Mitbürgerinnen und Mitbürger im Jubeljahr 2010 gern beteiligen.

Man schrieb das Jahr 710. Das ist rund 100 Jahre vor dem fünften längeren Aufenthalt Kaiser Karls des Großen  auf einer Stelle, wo sich heute die Verdener Süderstadt ausbreitet. Dieser Streifen im Gelände längs der Aller soll etwas mit Oxford an der Themse zu tun haben?

Weit früher als bisher angenommen hat es bereits zwischen Angeln und Sachsen Verbindungen zwischen der Themse und der Aller gegeben. Es klingt zunächst unglaublich, wie über die Entfernung von mehr als etlichen Tagereisen eine Verbindung entstand. Alle wissen etwas über die Völkerwanderung.

Nur wenige können sich vorstellen, wie das hierzulande aussah.


Nach dem Abzug der Römer von den britischen Inseln schlugen Sachsen, Engern und Angeln, die Anwohner im Elbe-, Weser- und Küstensaum, zu Tausenden den Weg zu Neuland über die Nordsee ein.

Mit ihren seetüchtigen Drachenbooten machten sie die Nordsee zu einem sächsischen Binnenmeer. Ihre Herkunft vergaßen sie nie. Erst recht nicht, nachdem sie das Christentum glaubensfreudig angenommen hatten.

Jetzt sollten auch ihre altsächsischen heimatverbliebenen Vettern und Verwandten mit der Frohbotschaft des Evangeliums Bekanntschaft machen. Auf „englischem“ Boden war in knapp zweihundert Jahren der christliche Glaube zu einer Hochform humanistischer Kultur aufgeblüht.


Als Männer wie Willibrord und Winfried von England nach Friesland und Sachsen aufbrachen, dachten sie an keinerlei Unterwerfung unter fränkisches Joch,

sondern hatten die befreiende Botschaft vom Erlösertod Jesu am Kreuz und seiner Auferstehung und Wiederkunft auf den sprachlich verwandten Lippen.

Nicht nur im Herzen blieben ihnen dabei Frauen wie Thekla und Lioba verbunden.

Sie taten es ihnen gleich und so finden wir sie schon im frühen achten Jahrhundert, eigenständig, hochgebildet und zielbewusst ob in Fulda, Kitzingen oder Ochsenfurt.


Oxford an der Themse war es, wo eine Frau namens Frideswida über sich hinauswuchs. Ihr Bildungsweg hatte sie mit der Kenntnis der Hl. Schrift vertraut gemacht.

 

Nach den Plänen ihres königlichen Vaters sollte sie den Platz an der Seite eines anderen königlichen Sprosses einnehmen. Sie muss tapfer und stark dem widerstanden haben, als sie sich mit drei Gefährtinnen in einem Boot erst auf der Themse und  dann durch die Büsche schlug. Aus ihrem fürstlichen Vermögen konnte Oxford entstehen.
Wie kam sie denn bloß mit Bild in die Klus? Der englische Reiseschriftsteller Taylor hatte 1616 bei seinem Besuch von Verden dafür keine Erklärung hinterlassen.

 

Inzwischen bin ich auf ungeahnte Quellen gestoßen. Bei den Bollandisten, einer schon im 17. Jahrhundert angelegten lateinischen Geschichts- und Geschichtensammlung steht auf 65 Seiten eine Darstellung von Frida zu ihrem Namenstag am 19. Oktober. Ich fand die Stelle von ihrer Pilger“fahrt“ nach Rom, die sie nach den Wirren um ihre Verheiratung angetreten hatte.


Das taten erstaunlich viele Männer und Frauen damals und heute pilgern sie wieder...


Sollte sie gar hier über die Furt von Fardi über die Aller geschritten sein?

Der Weg über diese erste europäische „Fernstraße“ könnte es nahelegen.

 

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit oder diskutieren Sie mit ALLERdings-Lesern. Viel Spaß.

Kommentar schreiben

0 Kommentare

  • loading