Ausgedientes Spielzeug für einen guten Zweck
Toys Company Achim richtet Sammelstelle für Spielzeug und Fahrräder im Rathaus ein
Langwedel am Donnerstag, 02. September 2010
Langwedel (is). Andreas Brandt ging mit gutem Beispiel voran: Er warf Spielzeug in eine große blaue Tonne, die jetzt im Eingangsbereich des Langwedeler Rathauses steht. „Das alles haben meine Söhne kaputtgekriegt“, sagte der Bürgermeister. Beispielsweise Spiele, bei denen einige Teile fehlen, ein unvollständiger Satz Legosteine, einige Stofftiere und ein Zauberwürfel. „Mit dem werde ich nicht fertig“, gestand Brandt lachend. Außerdem spendete er drei alte Fahrräder, die als Fundsachen abgegeben wurden. Der Flecken Langwedel ist die zweite Kommune im Landkreis, in der es eine Sammelstelle für ausgedientes Spielzeug gibt.
Mitarbeiter der Achimer Toys Company leeren die Tonne, sobald sie voll ist. Außerdem holen sie kaputte Fahrräder ab. Der „Abfall“ landet nicht in der Müllverbrennungsanlage, sondern dient einem guten Werk – auf zweierlei Weise: Zum einen werden Mitarbeiter für den Arbeitsmarkt qualifiziert und zum anderen bekommen bedürftige Kinder Spielzeug.
In der Achimer Toys Company im Fritz-Lieken-Eck 1, direkt am Bahnhof gelegen, erhalten 50 Mitarbeiter, die Arbeitslosengeld II bekommen, die Möglichkeit, sich in unterschiedlichen Bereichen auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten, auf Ein-Euro-Basis, versteht sich: im Marketing, Vertrieb, Ein- und Verkauf, in der Buchhaltung, im Personalwesen und in den Werkstätten. In der so genannten „leisen“ Werkstatt landen Stofftiere, Spielzeug und Spiele, werden dort aufbereitet und ins Lager gegeben. Vor allem Kinderfahrräder werden in der „lauten“ Werkstatt repariert. Die Mitarbeiter freuen sich auch über Räder, die so kaputt sind, dass sie nur noch zum Ausschlachten zu gebrauchen sind. „Ersatzteile benötigen wir immer“, sagte Mitarbeiter Sven Flaskamp.
Die Mitarbeiter führen „ihre“ Firma in Eigenregie. Dazu gehört es, die Arbeitsabläufe eigenverantwortlich zu organisieren, sowohl in kaufmännischen als auch in gewerblichen Bereichen. Laut Gesetz bleiben die Mitarbeiter ein halbes Jahr lang in der Modellfirma. Die Toys Company Achim ist ein Projekt der Dekra Akademie GmbH und der Arbeit im Landkreis Verden (ALV) und wurde im Dezember vorigen Jahres ins Leben gerufen. Das Projekt ist für ein Jahr befristet, doch Projektkoordinatorin Liane Gehrmann von der Dekra Akademie ist zuversichtlich, dass es anschließend mit der Firma weitergeht. „Bisher haben wir zehn Mitarbeiter in feste Jobs vermittelt, das ist ein gutes Ergebnis“, sagte sie zufrieden.
Ist das Spielzeug fertig für den Verkauf, kommt es in den Toys Shop und wird nach einem speziellen Punktesystem abgegeben. „So ist es gewährleistet, dass das Spielzeug gerecht verteilt wird“, sagte Gehrmann. Kinder von Eltern, die den Verdener Pass oder den Arbeitslosengeld-II-Bescheid vorlegen, bekommen eine Teddy-Karte, vergleichbar mit einem Sparbuch, in das sie jeden Monat 20 Teddy-Punkte hineinkleben. Für den „Betrag“ dürfen sie sich etwas im Toys Shop aussuchen. Oder sie sparen: „Ein Fahrrad kostet 40 Teddy-Punkte“, sagte Gehrmann.
Übrigens: Maskottchen Tommy Toys ist jetzt bei jedem Termin mit dabei. Der große, freundlich dreinblickende braune Bär im knallgelben T-Shirt wurde ebenfalls von Mitarbeitern hergerichtet und hält seine schützenden Tatzen über alles: „Ich bin hier der Chef“, ist auf einem Schild zu lesen.
Alles, was in die blaue Tonne passt, kann hineingeworfen werden, größere Sachen und Fahrräder werden nach Anruf abgeholt. De Rufnummer steht auf der Tonne und auf Flyern, die in der Rathaushalle ausliegen. Die Mitarbeiter der Toys Company freuen sich auch über Besucher, die Modellfirma ist montags bis freitags jeweils in der Zeit von 8 bis 16 Uhr geöffnet.

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