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Schöne Bilder zum Fühlen, Riechen und Betrachten

Aktionstag „Typen gesucht“ in der Stiftung Waldheim kam gut an

StWaldheimAktionTypenGesuchtCluvenhagen (is). Auf den ersten Blick haben Schwämme, Seil, Holzkugeln, Fingerxylophon, Feudel, Zweige, Borke, Malerrolle und Moosgummi nichts gemein. Und doch sind die Gegenstände perfekt, um Tastbilder für die Wohngemeinschaft der Sehbehinderten zu gestalten. Meinte zumindest Nathalie Lachnit, die alles besorgt hatte. Die Mitarbeiterin der Cluvenhagener Stiftung Waldheim behielt recht: In rund zwei Stunden bastelten elf Neuntklässler der Langwedeler Schule am Goldbach fünf Tastbilder. Die Hauptschüler waren mit ihrer Klassenlehrerin Gisela Seror am Montag im Rahmen des Aktionstages „Typen gesucht“ zu Gast in der zur Stiftung gehörenden Tagesförderstätte am Kuckucksweg.

„Sinn und Zweck der Kampagne ist es, Schülern die Möglichkeit zu geben, in soziale Berufe hineinzuschnuppern und sich zu informieren“, sagte Oscar Schouten, Fachbereichsleiter Wohnen der Einrichtung für geistig Behinderte. Hintergrund ist der sich andeutende Fachkräftemangel. Um Nachwuchs für die sozialen Berufe zu bekommen, hatte die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Niedersachsen die einwöchige Initiative gestartet.

Der Umgang mit Behinderten ist den Neuntklässlern vertraut, betreuen sie doch die Kooperationsklasse der Helene-Grulke-Schule. Und das seit vier Jahren. „Viele Schüler interessieren sich für soziale Berufe“, erklärte Seror, warum sie ihre Klasse angemeldet hatte. Nach einem Vortrag über Stiftung und Berufe sowie einem Rundgang über das Gelände legten die Jugendlichen am Kuckucksweg los: Schnell waren die Holzplatten grundiert – die beiden großen in einem warmen Rotton, die drei kleinen Türschilder in violetter Farbe. „Die Farben passen genau in den umgestalteten Flur“, sagte Wohnbereichsleiterin Saskia Schirmacher. Nach dem Mittagessen drapierten die Schüler Malerrolle, Moosgummi und Co auf die Platten. Das Ergebnis: Schöne Bilder zum Fühlen, Riechen und Betrachten, lobte Schirmacher.

Klassenlehrerin Seror war mit der Exkursion zufrieden: „Der Tag war aufschlussreich, informativ und gut strukturiert.“ Das fanden auch ihre Schüler. „Der Tag hat Spaß gemacht“, lautete der Tenor. Andrea Bauersfeld und Kai Förster gestalteten gemeinsam die drei Türschilder. „Ich kann mir gut vorstellen, Heilerziehungspfleger zu werden“, sagte der 15-Jährige. Zwar hat er einen Ausbildungsvertrag zum KfZ-Mechatroniker schon in der Tasche, doch ganz abgeneigt ist er dem sozialen Beruf nicht. Ganz anders sieht es seine Mitschülerin. „Ich kann nicht mit Behinderten arbeiten, denn ich habe Angst, Fehler zu machen“, sagte Andrea Bauersfeld klipp und klar. Welcher Beruf für sie überhaupt in Frage kommt, weiß die 14-Jährige noch nicht: „Ich besuche anschließend die Berufsbildenden Schulen, um mich zu orientieren.“

Dagegen fühlt sich Shawna Gipson in sozialen Berufen wohl: Ein Praktikum im Altenheim hat sie hinter sich, ein weiteres würde sie gern in der Stiftung Waldheim machen. Die 14-Jährige ist in der Kooperationsklasse sehr engagiert: „Ich komme gut mit Behinderten klar.“ Deshalb kann sie sich vorstellen, Heilerziehungspflegerin zu werden. Doch um herauszufinden, welchen Beruf sie letztendlich erlernen möchte, plant sie weitere Praktika: beim Friseur, in einer Physiotherapie-Praxis und ein zweites Mal im Altenheim.

Mitschüler Kerry Dreyer freut sich schon auf sein Praktikum in der Tagesförderstätte. Zuvor schnupperte er in den Beruf des Zimmermanns hinein. „Ich wollte beide Berufe kennenlernen“, sagte der 14-Jährige. Doch er tendiert zum Heilerziehungspfleger: „Ich arbeite gern mit Menschen.“ Für den Beruf will er den Realschulabschluss machen – eine Voraussetzung, um an einen Ausbildungsplatz zu kommen, sagte Fachbereichsleiter Schouten. Oder: „Wer einen Hauptschulabschluss vorweist, hat die Möglichkeit, den Beruf des Pflegeassistenten zu erlernen.“ Die bestandene Assistenten-Prüfung entspricht dem Realschulabschluss. Die abgeschlossene Ausbildung zum Heilerziehungspfleger wiederum ist mit der Fachhochschulreife vergleichbar und ebnet den Weg für das Studium. „Aufstiegsmöglichkeiten in sozialen Berufen gibt es genug“, sagte Schouten.


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