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Regenwassernutzung statt Gießverbot

Haus- und Gartentipps von Rolf Moje

Moje_Regenwasserspeicheranlage

Verden (rm). Noch ist es in Deutschland die Ausnahme, aber die Gefahr von Wasserknappheit könnte auch hierzulande ansteigen. In Italien, Frankreich und auf der iberischen Halbinsel ist sie schon in jedem Sommer Normalität. Gelegentlich mussten in den vergangenen Jahren aber auch schon bei uns, etwa in Hessen, Trinkwasserreservoire einzelner Gemeinden per Tankwagen aufgefüllt werden.

So droht langfristig auch in Deutschland ein Verbot der Gartenbewässerung während der heißesten Tage, wenn der Garten auf die zusätzliche Wasserzufuhr besonders angewiesen ist Dagegen kann sich der Gartenbesitzer mit einem Wasserspeicher absichern. Der Rohstoff Wasser ist nach wie vor teuer und wird im Preis zukünftig noch eher steigen. Eine Senkung der Wasserkosten ist durch Nutzen des kostenlosen Regenwassers relativ einfach.

Mit Regenwasser waschen?
Das Regenwasser ist frei von Kalk, hat so im Vergleich zum meist härteren Leitungswasser deutliche Vorteile. Weniger Waschmittel wird benötigt und die Verwendung von Weichspülern und Entkalkern gehört der Vergangenheit an. So werden insgesamt bessere Waschergebnisse erzielt und die Umwelt geschont. Keime gelangen vor allem über die Schmutzwäsche und nicht über das Regenwasser in die Waschmaschine. Einige Waschmaschinen-Hersteller empfehlen den Einsatz von Regenwasser für beste Waschergebnisse. 


Erdtank für Regenwasser
Trinkwasser ist genau genommen zu wertvoll und nicht nur zu teuer, um es einfach im Garten versickern zu lassen. Erdtanks fangen das Wasser auf, das über die Fallrohre vom Dach kommt Ein durchdachtes Filtersystem liefert eine Wasserqualität, die sogar für die Versorgung der Waschmaschine genügt. Wer die größten Wasserverbraucher im Haus wie Waschmaschine und Toiletten gleich mit anschließen will, der sollte eine nicht zu geringe Tankkapazität wählen. Wenn Regenwasser durch die Verwendung in Toilette und Waschmaschine zu Abwasser wird, werden dafür genauso Gebühren fällig, wie für das vorher verwendete Trinkwasser. Klären Sie das unbedingt vorab mit Ihrem Abwasserentsorger.


Die Größe der Zisterne
Sie ist von mehreren Faktoren abhängig. Die Regenmengen die Sie an Ihrem Wohnort durchschnittlich gewinnen können, lassen sich von Niederschlagskarten ableiten. Wie viel Regenwasser Ihr Dach auffangen kann, ist von der mittleren Niederschlagsmenge und der Dachgröße abhängig. Das Material der Eindeckung spielt eine weitere Rolle. Daraus ergibt sich der so genannte Abflussbeiwert, der beim Ziegeldach 0,75, beim Kiesdach 0,6 und beim Metalldach 0,9 beträgt. Nun fehlt für die Berechnung der Speichergröße nur noch der Ladebeiwert, der sich aus der Differenz des Wasserbedarf eines Haushalts und der möglichen Regenwasserernte ermitteln lässt.


Der Wasserbedarf

Er beträgt pro Person und Jahr für die Spülung der Toilette 8m³, für das Wäschewaschen 6m³ und zum Putzen 4m³. Für einen externen Wasserhahn rechnet man noch einmal 3m³ pro Person und Jahr hinzu. Für die Gartenbewässerung werden 6m³ für jeweils 100m² Fläche eingerechnet. Wenn der so errechnete Wasserbedarf weniger als 20% vom Regenwasserertrag ab, so kommt ein Ladebeiwert von 0,05 in Anrechnung. Bei größeren Differenzen nach unten oder oben beträgt dieser Ladebeiwert 0,03.
Die erforderliche Größe der Zisterne errechnet sich nun aus den ermittelten Werten nach folgender Formel.
Auffangfläche (m²) x Niederschlag (l/m² x Abflußbeiwert x Ladebeiwert = Speichergröße


Rundum Sorglos
Durchdachte Komplettpakete bringen alles mit, was zur professionellen Regenwassernutzung in Haus und Garten benötigt  wird. Aufeinander abgestimmte Komponenten sorgen für beste Wasserqualität und machen die Installation der Anlage sehr einfach. Anstatt sich im nächsten Hochsommer den Kopf über die Rettung des Gartens zu zerbrechen, kann man sorglos seinen Garten genießen.


Einbau der Zisterne
Im Erdboden versenkte Zisternen sind unsichtbar und ihre Wasserqualität bei Vorfilterung ganzjährig gleichmäßig. Das Wasser kann daher neben der Gartenbewässerung auch für andere Zwecke genutzt werden. Die Materialwahl hängt von der benötigten Größe ab. Für einen normalen Haushalt reichen Zisternen mit einem Volumen von 4 bis 8 m³ aus, die aus Kunststoff gefertigt und zum Vergraben zugelassen  sind. Diese sind mit einer speziellen Verrippung oder mit Versteifungsbändern ausgestattet.

Für den Einbau in Eigenarbeit verwenden Sie unbedingt die inzwischen von allen Herstellern angebotenen Flachtanks. Für einen Tank mit 5000L Kapazität brauchen Sie eine Baugrube mit einer Tiefe von 120cm. Eine zusätzliche Arbeitsraumbreite und abgewinkelte Böschungen sind nicht er-forderlich. Bei den auch angeboten Tanks aus Beton benötigen
Sie dagegen eine Grubentiefe
von 250 cm, Arbeitsraum und Böschungswinkel. So müssen Sie bei einem Flachtank nur ca. 10m³ Erde bewegen, bei der entsprechenden Betonzisterne immerhin ca. 60m³. Nur mit Schaufel und Spaten bis in eine Tiefe von 250cm schachten ist schlicht unmöglich und ein Beton-Tank in dieser Größe ist nicht ohne Maschinenkraft zu versetzen.


Standort
Beim Hausneubau ergibt sich die Standortfrage meist von selbst, beim nachträglichen Einbau, vor allem wenn der Platz unterhalb einer Gartenfläche liegt, muss der Standort sorgfältig
ausgewählt werden. Die Zisterne sollte so tief liegen, dass später darüber Pflanzen wachsen können; sie muss aber auch für Wartungsarbeiten zugänglich bleiben.
Um lange Zuläufe vom Regenrohr zu vermeiden, sollte sie in Hausnähe liegen.

Filteranlage
Dies gilt auch für den einzubauenden Verwirbelungsfilter, dessen Filterwirkung am besten ist, wenn er in unmittelbarer Nähe des Fallrohrs eingebaut ist. Die Zisternen sollten immer mit einem Domschacht ausgestattet werden, damit sie jederzeit gewartet werden können. Eine geräuscharme Tauchpumpe dient Ihnen zur Wasserentnahme.
Was passiert, wenn der Tank voll ist? Erdtanks müssen mit einem Überlauf ausgerüstet sein, durch den das Wasser in die Kanalisation oder besser in eine Versickerungsanlage überlaufen kann. Beim Anschluss an die Kanalisation muß der Überlauf oberhalb der Rückstauebene der Kanalisation liegen. Notfalls  eine Rückstauklappe installieren.
In dem an der Dränage angeschlossenen Überlauf sollte ein Kleintierschutz installiert werden.
Um Geruchsbelästigungen aus dem Kanal zu vermeiden, wird dem Überlauf ein Siphon vorgeschaltet.

Was passiert, wenn der Tank leer ist? Damit Toilette gespült und Waschmaschine betrieben werden können, auch wenn der Tank leer ist, wird von den angebotenen Speicherkonzepten eine Zuspeisung von Trinkwasser vorgesehen. Diese Zuspeisung muss offen geschehen, d.h. Trinkwasser läuft aus einem Hahn über einen Trichter in die Zisterne. Diese Arbeiten sollten Sie von einem Installateur vornehmen lassen, bei manchen Wasserversorgern ist dies sogar vorgeschrieben. Ebenfalls vom Gesetzgeber vorgeschrieben sind Hinweisschilder für jeden Wasserhahn, der mit Wasser aus der Regenwasserzisterne gespeist wird.

Wird meine Anlage öffentlich gefördert ?
Vielfach wird die Nutzung, Versickerung oder Rückhaltung von Regenwasser von Ländern, Städten und Gemeinden gefördert. Eine bundeseinheitliche Regelung gibt es nicht. In NRW gibt es für eine entsprechende Anlage bis zu 1 500 EUR vom Land dazu, in Bremen beträgt der Zuschuss bis zu einem Drittel der förderfähigen Kosten, maximal aber 2000 EUR. Bayern, Hessen und das Saarland fördern kommunal sehr unterschiedlich.
Ob und wie gefördert wird, erfahren Sie bei der zuständigen Verwaltung oder beim Wasserwerk.

Informationen
dazu bekommen Sie im Internet unter dem Stichwort Regenwassernutzung. Die Hersteller Otto Graf und ReWaTec z.B. bieten umfangreiche Kataloge, Einbauanleitungen und sogar Videos zum herunterladen an.
Ihr örtlicher Baustoffhändler oder Baumarkt wird Ihnen dazu ebenfalls Informationsmaterial anbieten können. Landschaftsgärtner und Installateure bieten, am sinnvollsten in Zusammenarbeit Lieferung und wenn gewünscht, auch den Einbau des Regenwasserspeichers an.


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